Elektro

Renault Twingo Electric: Klein, wendig, elektrisch

Der Renault Twingo ist ideal für die Stadt, Foto: Angelika Emmerling

Der Renault Twingo ist ein ideales Auto für die Stadt. Nun gibt es den Kleinstwagen der Franzosen auch elektrisch.

Das neuste Elektromodell des französischen Autobauers bringt (fast) alles mit, um noch mehr Kunden von der Elektromobilität zu überzeugen.

Aufgrund der erhöhten Kaufprämie steigen bereits derzeit immer mehr Kundinnen und Kunden auf ein elektrisches Modell um – vorzugsweise auf den Renault Zoe. Der Stromer der Franzosen hat sich in den zurückliegenden Jahren zum Bestseller entwickelt – und schreibt nach seinem Facelift Ende des vergangenen Jahres quasi im Monatstakt neue Bestmarken.
Im Oktober kam der Stromer bundesweit auf 5014 Neuzulassungen. So viele wurden bisher noch nie beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für den Zoe verzeichnet. Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres kam er auf über 20.000 Neuzulassungen. Auf einem Markt, der gerade erst hochläuft, ist dies eine Ansage.

Reichweite von 190 Kilometer

Doch kann auch der Twingo an diesen Erfolg anknüpfen? Im Gegensatz zum Zoe – der auf eine Reichweite von bis zu 395 Kilometer kommt – fährt der Twingo mit seiner 21, 4 kWh großen Batterie gerade einmal nur 190 Kilometer elektrisch. Im so genannten City-Modus sollen es nach dem neuen Verbrauchszyklus WLTP sogar 270 Kilometer sein.

Das Cockpit des Renault Twingo ist übersichtlich gestaltet. Foto: Angelika Emmerling

In Zeiten, in denen für viele Kunden die E-Mobilität noch neu ist und Reichweitenangst nach wie vor mitschwingt – erscheint das arg wenig. Doch machen wir uns ehrlich: Durchschnittlich fahren selbst Pendler pro Tag in Europa nur 30 Kilometer. Zudem ist der Twingo wie der mit ihm verwandte Smart als klassisches Stadtauto konzipiert. Das merkt man auf jedem Meter, den wir im Twingo durch die Innenstadt von Bonn fahren.

Wendekreis von unter 9 Metern

Im Getümmel der Universitätsstadt am Rhein fühlt sich der gerade einmal 3,62 Meter kurze Kleinstwagen besonders wohl, dort beweist er mit seinem Heckantrieb seine Stärken. Der Twingo kommt gerade einmal auf einen Wendekreis von 8,6 Metern. Seine Vorderräder lassen sich um 45 Grad einschlagen. Dass die Parkplatzsuche sich aufgrund der Länge des Twingo als ebenso einfach erweist, ist ein weiterer Pluspunkt.

Bei Renault jedenfalls ist man zuversichtlich, dass der Twingo beim Kunden ankommt. Seine Zuversicht schöpft der Importeur auch aus dem Umstand, dass die Konkurrenz von VW (e-Up), Skoda (Citigo iV) und Seat (Mii electric) ihre kleinen Stromer vorerst nicht liefern kann. „Wir erwarten einen Absatz von jährlich 5000 Einheiten plus“, sagte Produktmanager Alexander Albrecht. Diese Absatzerwartung erscheint angesichts des Nachfrage nach E-Autos in diesem Segment – siehe das Trio des VW-Konzern – indes sehr konservativ zu sein. Doch auch bei Renault muss man mit seinen Batteriekapazitäten sorgsam umgehen. Vorerst hat man sich für den deutschen Markt halt nur diese Anzahl an Fahrzeugen sichern können. Die Kunden indes scheinen auf den E-Twingo gewartet zu haben: noch vor Marktstart liegen 300 Reservierungen vor.

Bemerkenswert: Denn zum Start wird es nur ein umfangreich ausgestattetes Sondermodell für 25.666 Euro geben. Danach folgt ein Modell für 24.100 Euro. Die Basisvariante soll sich um die 22.000 Euro bewegen. Noch im November will Renault die ersten elektrischen Twingo auf den Markt bringen. Geplant ist, dass in diesem Jahr noch 1500 Fahrzeuge abgesetzt werden.

Kaufprämie auf 10.000 Euro aufgestockt
190 Kilometer: So weit fährt der Renault Twingo elektrisch. Foto: Angelika Emmerling

Der Preis des Twingo ist selbstbewusst – zumindest auf den ersten Blick. Doch davon geht noch die Kaufprämie ab, die Renault wie beim Zoe um ein paar Hundert Euro leicht auf 10.000 Euro aufgestockt hat. Damit stößt der Twingo preislich in den Bereich des Verbrenners vor. Damit erübrigt sich eigentlich die Frage, für welche Antriebsart man sich entscheidet. Denn der Twingo macht nicht nur durch seinen kleinen Wendekreis Spaß, sondern auch durch seine Laufruhe. Im Gegensatz zu den rauen Dreizylindern hört man in ihm nämlich nichts und düst flott und dank des niedrigen Schwerpunkts der Unterflur-Batterien sicher durch die Stadt. Da der Twingo von Anfang an auch für die Elektrifizierung entwickelt wurde, bietet er die gleichen Platzverhältnisse wie sein Verbrennerkollege.

Wenn es denn etwas gibt, was bei dem kleinen Twingo stört, dann ist es der Verzicht auf eine CCS-Lademöglichkeit. Die, so ist man bei Renault überzeugt, erwartet niemand beim Twingo. „Er ist ein klassisches Stadtauto“, sagt Albrecht.
Schade, denn damit wird die Langstreckentauglichkeit des Twingo eingeschränkt. Es soll ja durchaus Kunden geben, die den Twingo nicht nur als Zweitwagen nutzen. Doch die Ladezeit von einer Stunde an einem 22 Kilowatt-Lader gehen in Ordnung. Wer nur mit 11 kW lädt, muss dafür 2:10 Stunden einplanen. Doch auch wenn der Twingo keine Schnelllademöglichkeit bietet, so ändert das nichts am guten Gesamteindruck. Mehr E-Auto braucht man nicht.

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben Autogazette.de und Autozukunft.de verantwortet er auch das Magazin electrified.

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