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Mobilität

Coup-Chef: E-Scooter-Sharing ist ein Wachstumsmarkt

E-Scooter von Coup in Paris. Foto: Coup
Coup bietet seine Mietroller auch in Paris an. Foto: Coup

Das Geschäft mit Miet-Rollern boomt. In Berlin gehören Elektro-Scooter von Coup und Emmy mittlerweile ebenso zum Stadtbild wie Carsharingfahrzeuge.

In der Hauptstadt buhlen diese beiden Unternehmen um die Gunst der Kunden. Im Interview mit Autozukunft.de spricht der Geschäftsführer von Coup, Mathias Schubert, über die wachsende Nachfrage nach Elektro-Rollern und die Expansion nach Paris. Die Bosch-Tochter ist in der französischen Hauptstadt seit August mit ihrem Elektro-Rollern im Einsatz.

Coup sagt nichts zu Mitarbeiterzahlen

Autozukunft: Herr Schubert, Sie haben Ihre Büros an der Friedrichstraße und nicht im derzeit für Start-Ups angesagten Kreuzberg. Ist das eine temporäre Entscheidung?

Mathias Schubert: Wir haben uns bewusst für die Friedrichstraße entschieden, vor allem wegen der zentralen Lage, die auch Vorteile bietet für die Mitarbeiter-Akquisition. Zudem muss man in Berlin erst einmal Räumlichkeiten finden, die unserer Größe entsprechen.

Autozukunft: Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Schubert: Über Mitarbeiterzahlen machen wir keine Angaben. Nur so viel: Wir sind in diesem Jahr schon kräftig gewachsen.

Autozukunft: Jeder spricht derzeit davon, dass Mietroller in den Großstädten boomen. Was macht das Angebot so attraktiv?

Schubert: Es macht einfach Spaß, nicht im Stau zu stehen und keinen Parkplatz suchen zu müssen. Es bringt Spaß und Zeitersparnis in den urbanen Alltag.

Autozukunft: Wie definieren Sie Boom? Derzeit bewegt man sich mit Blick auf den Rollerbestand mehr oder minder noch auf kleinem Niveau.

Schubert: Das liegt unter anderem daran, dass allein in den letzten zwei, drei Jahren die Anzahl der Spieler in diesem Segment in Europa deutlich gestiegen ist.

„E-Scooter-Sharing ist ein Wachstumsmarkt“
Mathias Schubert von Coup. Foto: Coup
Mathias Schubert ist Chef der Bosch-Tochter Coup. Foto: Coup

Autozukunft: Wie viele Spieler gibt es?

Schubert: In Europa gibt es derzeit um die zehn Spieler, vor zwei Jahren waren das zwei. Auch die Zahl der Sharing-Roller ist enorm gestiegen. eScooter-Sharing ist ein Wachstumsmarkt. Er kommt zwar aus der Nische, wächst aber deutlich.

Autozukunft: Kennen Sie aus dem Stegreif die Zahl der Mietroller in Europa?

Schubert: Europaweit gibt es meines Wissen nach so um die 10.000 Elektroroller. Man sieht gerade eine hohe Investitionsbereitschaft in diesem Geschäftsfeld.

Autozukunft: Verraten Sie, wie viel Geld Coup derzeit für die Entwicklung des Marktes in die Hand nimmt?

Schubert: Ich könnte es sagen, werde es aber aus Wettbewerbsgründen nicht verraten.

Autozukunft: Sehen Sie sich als klassische Alternative zum Carsharing oder dem ÖPNV?

Schubert: Wir sehen uns in der Intermodalitätskette zwischen dem Car- und dem Bikesharing – wir sind die perfekte Ergänzung.

Autozukunft: Sehen Sie durch den Boom beim Bikesharing für sich auch Probleme zukommen?  Schließlich ist die Zahl der Stellplätze nicht unbegrenzt.

Schubert: Natürlich ist das nicht unproblematisch, wie man in China oder auch in Zürich sieht. Doch wir konzentrieren uns auf den Verleih von eScootern in Berlin und Paris. Hier geben wir Vollgas.

„Passen uns mit Angebot an lokale Gegebenheiten an“

Autozukunft: Sie sehen also perspektivisch keine großen Probleme auf sich zukommen, dass beispielsweise der Berliner Senat auf die Idee kommt, die bisherige Parkregelung zu ändern?

Schubert: Derzeit haben wir die sogenannte Zwillingswagen-Regelung. Das bedeutet, dass ein Kinderwagen zwischen Häuserwand und einem Hindernis durchpassen muss. Solange ist es geduldet, beispielsweise einen eScooter auf dem Bürgersteig abzustellen. Paris fährt beispielsweise ein anderes Modell: Dort gibt es wie in San Francisco Zweiradzonen. Wir passen uns mit unserem Angebot an die lokalen Gegebenheiten an. Entsprechend gelassen sind wir.

Autozukunft: Wie weit sind Sie derzeit in Paris mit Ihrem Angebot…

Schubert: … wir sind dort bereits seit August am Start und haben 600 eScooter im Einsatz.

Autozukunft: Wenn Sie Paris mit Berlin vergleichen. Gibt es da Unterschiede im Zuspruch des Angebotes?

Schubert: Der Zuspruch ist in beiden Städten gleich hoch.

Autozukunft: Wie viele Roller bieten Sie derzeit in Berlin an?

Schubert: Wir werden wie angekündigt bis Ende des Sommers die Flotte auf 1000 Roller erhöhen.

Konzentrieren uns auf inneren S-Bahnring“
Coup in Paris. Foto: Coup
Der E-Scooter Anbieter Coup ist seit August auch in Paris vertreten. Foto: Coup

Autozukunft: Sie bieten Ihre Roller derzeit nicht in den Außenbezirken an. Warum nicht?

Schubert: Wir konzentrieren uns auf den inneren S-Bahnring. Doch wir überprüfen ständig unser Geschäftsgebiet.

Autozukunft: Beim Carsharing spricht man davon, dass man sechs bis acht Anmietungen braucht, damit sich das rechnet. Ist das bei Ihnen ähnlich?

Schubert: Das ist eine Grundkalkulationsgröße. Doch im Gegenteil zu Autos brauchen wir keinen Parkplatz, was unsere Wertschöpfung erhöht. Dafür nehmen wir weniger pro Zeiteinheit ein.

Autozukunft: Warum erweitern Sie Ihr Geschäft nach Paris und expandieren nicht erst in Deutschland?

Schubert: Wir haben nach einer Metropole gesucht. Wie man es auch vom Carsharing kennt, braucht man eine bestimmte Kundendichte pro Flächeneinheit. Im europäischen Metropolenvergleich sprach alles für Paris.

Autozukunft: Inwieweit orientieren Sie sich mit ihrem Angebot an Ihrem Konkurrenten Emmy?

Schubert: Ich bin CEO von Coup – und verantworte unser Geschäft. Ich sehe uns nicht als Wettbewerber, vielmehr sind wir Market-Maker.

Autozukunft: Wer mietet eigentlich Ihre Roller? Sind es vor allem jüngere Kunden?

Schubert: Es sind Kunden ab einem Mindestalter von 21 Jahren.

Autozukunft: Verraten Sie, wie viele Kunden Sie haben?

Schubert: Weder für Berlin noch Paris sagen wir etwas zu der Anzahl unserer Kunden.

„Unser eScooter steht für Sicherheit“

Autozukunft: Sie bieten Ihren Kunden einen Roller des taiwanesischen Herstellers Gogoro an. Welche Relevanz kommt dem gewählten Rollermodell für den Erfolg zu? Emmy bietet beispielsweise Schwalbe-Roller an.

Schubert: Es sind drei Punkte wichtig: Es ist das digitale Produkt bei der Kundenansprache. Der eScooter muss über die App einfach zu buchen sein, der eScooter muss da sein, er muss funktionieren. Für uns ist es enorm wichtig, dass unsere Hardware den Kundenwünschen entspricht. Er muss sicher sein, ein gutes Fahrverhalten haben und für die Kunden einfach zu handhaben sein.

Autozukunft: Wie sicher ist Roller fahren? Bis auf einen Helm bieten Sie ja keine weitere Schutzkleidung an.

Schubert: Wir können dem Kunden nur das vorschreiben, was gesetzlich erforderlich ist. Wir haben beim Helm darauf geachtet, dass er von einem Markenhersteller kommt. Bei uns ist es HJC. Vor allem steht unser eScooter für Sicherheit. Denn er ist eigentlich ein 125er-Roller und hat 6,4 kW Leistung. Bei uns läuft er als 50 ccm Roller. Die Dimensionierung von Fahrwerk und Bremsen ist also auf höhere Geschwindigkeiten ausgelegt als die 45 km/h, die wir mit ihm fahren.

Autozukunft: Stellen unterschiedliche Kopfgrößen nicht bei der Anmietung ein Problem dar? Was machen Menschen mit einem großen Kopf wie ich?

Schubert: Wir können mit zwei Helmgrößen 78,4 Prozent der durchschnittlichen Kopfgrößen abdecken.

Autozukunft: Doch es liegt nur ein Helm im Roller.

Schubert: Stimmt. Unser eScooter ist für zwei Personen zugelassen, wenn man also zu zweit auf dem eScooter fahren möchte, muss man nur einen zweiten Helm selbst mitbringen.

„Alle Roller liegen um 100 Kilometer Reichweite“
E-Scooter von Coup. Foto; Coup
Mit dem Elektro-Scooter von Coup unterwegs in Berlin. Foto: Coup

Autozukunft: Eine große Bedeutung müsste auch der Reichweite zukommen…

Schubert: …dem ist auch so. Die Roller liegen alle um die 100 Kilometer Reichweite. Vor allem ist auch der einfache Batteriewechsel wichtig, das Swappen. Das bietet dem Kunden die Gelegenheit, dass er immer einen vollgeladenen Roller hat.

Autozukunft: Das Aufladen ist also kein Thema für Ihre Techniker?

Schubert: Korrekt, unsere Techniker tauschen die Akkus nur aus.

Autozukunft: Wie kontrollieren Sie den Ladestand der Batterie und was tun sie, wenn er ein bestimmtes Niveau erreicht hat?

Schubert: Es wird über die Vernetzung kontrolliert. Wir nehmen einen eScooter automatisch aus der Miete, wenn ein Ladezustand von 20 Prozent erreicht ist. Dann ist er nicht mehr buchbar, erscheint auch nicht mehr auf der App. Bei uns geht er dann in den Service.

Autozukunft: Wann findet der Akkutausch statt? Sicherlich nicht nur nachts.

Schubert: Es wäre ja ungeschickt, so lange zu warten. Wir fahren Mehrschichtmodelle. Doch wir wissen bei schönem Wetter, dass wir dann auch eine höhere Auslastung haben. Wir sind indes auch überrascht, wie stark unsere eScooter bei Regen genutzt werden.

Autozukunft: Und was ist im Winter? Bleiben die Roller im Einsatz?

Schubert: Im letzten Winter haben wir die Flotte für zwei Monate in unser Lager geholt. Je nachdem, wie sich das Wetter in diesem Jahr entwickelt, werden wir wieder genauso vorgehen.

Das Interview mit Matthias Schubert führte Frank Mertens

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben Autogazette.de und Autozukunft.de verantwortet er auch das Magazin electrified.

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