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Mobilität

Verkehrsclub Deutschland fordert Geduld beim Autokauf

Insgesamt 34 Autos stehen auf der Umweltliste vom Verkehrsclub Deutschland. Foto: AG/Flehmer
Der Verkehrsclub Deutschland hat seine Umweltliste vorgestellt. Foto: Flehmer

Der Verkehrsclub Deutschland hat auf ein festes Ranking bei der traditionellen Umweltliste verzichtet. Für Diskussionen sorgt dabei vor allem ein Antrieb, der gar nicht auf der Liste vertreten ist. 

Dabei ist die Situation paradox. Ohne den vor zwei Jahre bekannt gewordenen Dieselskandal von VW würde in den heutigen Tagen kaum jemand die Zukunft des Selbstzünders anzweifeln oder auch neue Wege der Antriebe stärker forcieren als dies schon geschieht. Und doch scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Die Autohersteller können unter dem Mantel der Politik mehr oder weniger unberührt weiter arbeiten, die Umweltverbände verlangen schnellere Maßnahmen und Umsetzungen.

„Sicher habe der Dieselskandal auch etwas Gutes“, sagt Wasilis von Rauch, „ein Dieselgipfel ist erfreulich, doch es fehlt ein Plan. Auch beim TV-Duell gab es keine klaren Worte von Angela Merkel und Martin Schulz an die Autoindustrie, die weiterhin Rekordgewinne einfährt. Seit zwei Jahren gibt es keine Transparenz der Hersteller und die Verbraucher werden weiter an der Nase herumgeführt“, so der Vorstandsvorsitzende vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD), der seine traditionelle Umweltliste veröffentlichte.

Kein Diesel auf der Umweltliste

So ist es keine Überraschung, dass ein Fahrzeug mit einem Selbstzünder auf der Umweltliste fehlt. Zwar emittiert der Diesel weniger CO2 als ein Benziner, doch ist der Ausstoß der Stickoxide um ein Vielfaches höher, als auf den Rollständen des nunmehr abgelaufenen Neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) gemessen wurde. Aber auch der neue WLTP-Wert wird auf Rollen produziert. „Aber auch dieser Wert wird auf Rollen ermittelt, auch wenn er etwas realitätsnäher ist als der NEFZ“, so Gerd Lottsiepen.

Der verkehrspolitische Sprecher fordert deshalb auch stets Angaben aus dem Alltag, den so genannten Real Drive Emission (RDE). Diese mussten die Hersteller seit dem vergangenen Jahr in einem Monitoring-Verfahren ermitteln und auch weitergeben, was im Hinblick auf die VCD-Umweltliste nicht erfolgte und erst seit dem 1. September Pflicht ist.

Alte Autos auf der IAA

„Der Datenrücklauf der Hersteller bezüglich der RDE-Angaben war enttäuschend“, so Michael Müller-Görnert. Der Verkehrsexperte des Clubs nimmt an, dass die Test-Ergebnisse sehr schwach ausfielen und deshalb nicht weitergeleitet wurden. Denn mit den RDE sind die Grenzwerte noch schwerer einzuhalten als beim WLTP, geschweige denn beim NEFZ. Konnten die Hersteller beim NEFZ einige Gesetzeslücken nutzen, so gibt es beim RDE verschärfte Kriterien, die für neue Fahrzeugtypen erbracht werden müssen.

Und gerade da liegt für Müller-Görnert der Knackpunkt. Zwar kommen gerade zur in der kommenden Woche beginnenden Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) viele neue Fahrzeuge in den Umlauf. Diese basieren aber noch auf den alten Typklassen basieren und werden somit nicht den neuen Kriterien unterzogen. „Wir glauben deshalb, dass auf der IAA alte Fahrzeuge verkauft werden.“ Autos, die nach neuen Kriterien am Stand stehen, erwartet der Experte vom Verkehrsclub dann erst zwei Jahre später auf der Herbstmesse in Frankfurt. „Ein Vertrauensaufbau sieht anders aus.“

Verkehrsclub gegen Direkteinspritzer ohne Partikelfilter

Dass am Vertrauensaufbau der Dieselmotor noch beteiligt sein wird, bezweifelt Lottsiepen. „Der Diesel ist diskreditiert. Natürlich kann er sauberer arbeiten, aber dafür benötige ich zwei Chemiefabriken im Motor.“ Lottsiepen glaubt, dass die Hersteller keine großen Investitionen mehr für den Diesel aufbringen. In Europa – besonders in Frankreich und Deutschland nimmt er eine größere Rolle ein. Aber auf dem Weltmarkt tritt der Diesel so gut wie gar nicht in Erscheinung trete.

Neben dem Diesel warnt der VCD auch vor dem Kauf von Fahrzeugen mit Benzin-Direkteinspritzern ohne Partikelfilter. Auch diese erscheinen nicht auf der Umweltliste, auf der gerade einmal 34 Fahrzeuge mit Hybrid-, Erdgas- oder Benzinantrieb sowie Elektroautos Platz fanden. Aufgrund der fehlenden Transparenz wurde auf ein festes Ranking verzichtet. Als Ausnahme wurde der PSA-Konzern gelobt, der ab Ende 2017 den Stickoxid-Ausstoß seiner Fahrzeuge veröffentlicht. Müller-Görnert hätte sonst dem Toyota Prius „gute Chancen auf den Gesamtsieg“ zugerechnet. So aber hält es der Verkehrsexperte mit seinem Kollegen Lottsiepen im Hinblick auf den Autokauf: „Glücklich ist, wer warten kann.“ Angesichts von scheinbar neuen Fahrzeugen, die potenzielle Kunden locken sollen, eine paradoxe Situation.

Über den Autor

Thomas Flehmer

Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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