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VW-Markenchef: Hohe Strompreise für E-Mobilität nicht förderlich

VW-Markenchef Thomas Schäfer. Foto: Ingo Barenschee

Parteien wie die FDP und CDU/CSU versuchen, dass für 2035 geplant Verbrenner-Aus zu kippen. Von solchen Bestrebungen hält VW-Markenchef Thomas Schäfer nichts, wie er in einem Interview sagte.

VW-Markenchef Thomas Schäfer hält nichts von Forderungen, dass Verbrenner-Aus 2035 zu kippen. «Solche Forderungen springen zu kurz. Die Autoindustrie ist eine langfristig investierende Industrie », sagte Schäfer im Interview mit der Autogazette. So hätte sich der VW-Konzern als eines der ersten großen Unternehmen zum Pariser Klimaschutzabkommen bekannt und hätte sein Modellportfolio auf die E-Mobilität ausgerichtet. «Jetzt zu meinen, einfach auf die Pausentaste zu drücken, um dann irgendwann wieder zu starten, ist unrealistisch. Nicht nur für uns, sondern die gesamte Autoindustrie.»

Die Elektromobilität sieht der VW-Markenchef trotz einer Nachfrageschwäche in Deutschland angesichts der hohen Auftragseingänge im ersten Quartal in West-Europa nicht in der Krise. Die Zukunft gehöre der Elektromobilität. Sie sei der richtige Weg für das Klima, wirtschaftlich und für die Kunden.. «Es wird gerade viel Stimmung gegen die E-Mobilität gemacht. Das ist nicht hilfreich, um diese Technologie weiter nach vorne zu bringen. Es wird gefragt, ob der Verbrenner nicht doch die bessere Lösung ist und behauptet, die Elektromobilität sei zu kompliziert. Nein, ist sie nicht.» Zwischentiefs beim Hochlauf einer neuen Technologie seien nichts außergewöhnliches, so der Markenchef.

Kritik an hohen Strompreisen

Dass die Kunden in Deutschland beim Kauf eines E-Autos derzeit zurückhaltend seien, liege an der im Dezember vergangenen Jahres gestoppten Förderung, «aber nicht nur». Vor allem seien die «aktuell hohen Strompreise nicht förderlich. Warum fahren so viele Menschen in China mit einem Plug-in-Hybriden oder Elektroauto? Auch, weil der Strom dort so günstig ist. Die Preise an den Ladestationen „entsprechen nicht den Marktrealitäten, teilweise auch nicht im privaten Bereich. Ich gehe aber davon aus, dass die Preise wieder sinken, da das kein Anbieter längere Zeit gegen den Markt durchhält», sagte Schäfer.

Im Gegensatz zu anderen Autobauern sieht Schäfer keine Veranlassung, die gesetzten Absatzziele für Elektroautos zu revidieren. Danach sollen bei der Kernmarke VW ab 2030 mindestens 70 Prozent des Absatzes in Europa reine Elektroautos sein, in den USA und China mehr als 50 Prozent. «Diese Ziele stehen, sie sind mit einer entsprechenden Portfolioplanung hinterlegt.» Dass die EU plant, Strafzölle auf chinesische Elektroautos zu verhängen, betrachtet Schäfer mit Sorge. «Ich halte nichts von Handelskonflikten. Das schadet letztlich allen Seiten und am Ende leidet auch der Kunde darunter. Wichtig ist aber, dass alle nach den gleichen Regeln spielen. Wir müssen sehen, dass wir in Europa wettbewerbsfähig bleiben und das auf lange Frist. Handelskonflikte helfen da nichts. In den USA hat man die Strafzölle gerade auf 100 Prozent erhöht, nun denkt die EU darüber nach. Wir betrachten das mit Sorge.»

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben Autogazette.de und Autozukunft.de verantwortet er auch das Magazin electrified.

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