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Fahrberichte

Nissan e-NV200 Evalia: Gute Planung vertreibt Ängste

Der Nissan e-NV200 Evalia ist der erste elektrische Kleinbus. Foto: Nissan
Der Nissan e-NV200 Evalia schafft 150 Kilometer mit einer Ladung. Foto: Nissan

Auch mit begrenzter Reichweite reichen den meisten Autofahrern Elektroautos für den Alltag. Der Nissan e-NV200 Evalia verursachte keine Beklemmungen. Wer mehr Reichweite benötigt, muss bis April warten.

Natürlich sind die Vorbehalte fehlende Ladeinfrastruktur, hohe Preise, dafür geringe Reichweite gegenüber Elektroautos seit Beginn der ersten Elektrofahrzeuge fast schon fest gemeißelt. Der Kleinbus hat seine Alltagsanforderungen aber gut gemeistert. Trotz niedriger Reichweite von bis zu 170 Kilometern können mögliche Ängste daheim bleiben. Ähnlich wie auf die Tankanzeige bei Autos mit Verbrennungsmotoren schaut man auch beim Nissan e-NV200 Evalia häufiger auf die Anzeige mit der Reichweite, doch mit einem etwas geänderten Ladeverhalten fielen diese Blicke im Laufe des Testzeitraumes von zwei Wochen immer geringer aus – bezogen auf den städtischen Verkehrsalltag.

Dieser sieht gute 50 Kilometer pro Tag vor. Bei einer Kilometerleistung von eben diesen 50 Kilometern am ersten Tag verbleiben dem japanischen Kleinbus bei einer Gesamtladung von angezeigten 154 Kilometern rund 100 Kilometer. Genug, um den zweiten Tag auch noch dann in Ruhe bestreiten zu können, auch wenn noch weitere Touren anfallen würden. Am zweiten Abend kommt der e-NV200 Evalia dann daheim an den Stecker und kann in Ruhe über Nacht aufgeladen werden. Da ist es auch dann egal, dass Nissan die Ladezeit je nach Ladegerät mit vier bis zehn Stunden angibt. Die Zeit bis zum nächsten Start dauert definitiv länger.

Zweitages-Rhythmus für den e-NV200 Evalia

Ist dieser Zweitages-Rhythmus erst einmal verinnerlicht, können auch die Verbraucher abseits des Kilometer fressenden Elektromotors mit 80 kW/109 PS beachtet werden. Gerade mit dem kontinuierlichen Absinken der derzeitigen Temperaturen nimmt das Thema immer stärkere Prioritäten ein. Rund 15 Kilometer an Reichweite kostet das Einschalten der Heizung, die dann im Laufe der Fahrt auch noch mit Strom versorgt werden möchte.

Gemäß den 50 Kilometern an reiner Tagesleistung kämen dann noch einmal – großzügig gerechnet – weitere 20 Kilometer hinzu, sodass am Ende des ersten Tages weitere 80 Kilometer für den zweiten Tag zur Verfügung stehen. Sollten dann doch weitere Kilometer anfallen, bringt das Ausschalten der Heizung weitere 15 Kilometer an Reichweite. Doch auch dann kommen die Familie oder die Mitglieder der Handballmannschaft trotzdem noch sicher nach Hause, ehe der Nissan wieder an die Steckdose geklemmt wird. Dieser Rhythmus bedarf wirklich keiner großen Rechnerei.

Ruhige Fahrten im e-NV200 Evalia

Als Bonus können die Insassen die äußerst ruhige Fahrt genießen. Bei Abfahrten oder auch bei der Anfahrt zur roten Ampel kann auf den Break-Modus am Automatikhebel umgeschaltet werden, um die Rekuperation zu verstärken. Zugleich schont diese Fahrweise die Bremsen. Beim anschließenden Ampelstart profitiert auch der e-NV 200 Evalia von den von Beginn an bereitstehenden 254 Newtonmetern. Trotz seiner knapp 1,8 Tonnen Lebendgewicht überrascht der Kleinbus zunächst die anderen Verkehrsteilnehmer mit einem schönen Antritt. Später wird der Vortrieb zäher.

Aber als Sportwagen ist der Kleinbus mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 123 Stundenkilometern auch nicht konzipiert. Auch das Fahrwerk ist auf Komfort eingerichtet, der Innenraum auf Praxis. Schließlich stammt der Evalia von einem leichten Nutzfahrzeug ab, was auch an den etwas hakelig zu bedienenden Schiebetüren ebenso sichtbar wird wie beim praktischen Nutzen beim Gepäck. Sind nicht alle sieben Plätze besetzt, können die klappbaren beiden Hintersitze fix ausgebaut werden. Dann steht ein Volumen von bis zu 2900 Litern für Gepäckstücke bereit. Bei allen Sieben muss man sich mit dem Gepäck etwas beschränken, auch wenn der elektrische Evalia 16 Zentimeter länger ist als der Evalia mit Verbrennungsmotor.

Kostenlos bei Nissan laden

Auch für die große Reise müsste man sich beschränken, nicht nur beim Gepäck. Erhöht sich der Energiebedarf für den Vortrieb auf der Autobahn sinkt automatisch die Reichweite. Modernere Elektroautos könnten dann eher größere Distanzen schaffen – der e-NV 200 noch nicht, ohne alle Stunde einmal am Rande der Strecke nachzuladen. Ist allerdings im 80 Kilometer entfernten Zielort ein Nissan-Händler vertreten, kann dort am Chademo-Stecker innerhalb von einer halben Stunde kostenlos für die Rücktour nachgeladen werden, während man selbst bei Tante Käthe am Kaffeetisch weilt.

Für 37.926 Euro – dann ist die Batterie gleichzeitig auch ins Eigentum übergegangen – ist der Kleinbus nicht unbedingt ein Schnäppchen, auch wenn dank Umweltprämie und einem weiteren Bonus von Nissan insgesamt 5250 Euro abgezogen werden. Wer die Batterie lieber zu einem monatlichen Preis ab 86,87 Euro leasen möchte, zahlt nach Abzug der Förderung für den Siebensitzer 26.780 Euro. Der Fünfsitzer kostet weitere 2300 Euro weniger. Und dann sieht die ganze Sache doch schon viel entspannter aus. Zumal die Reichweitenängste trotz eingeschränkter Reichweite so gut wie keine Berechtigung haben.

Neuer Nissan e-NV200 Evalia mit mehr Reichweite

Und wer doch mehr Reichweite benötigt, muss bis April 2018 warten. Dann kommt der erneuerte  e-NV 200 mit einer 40 kWh starken Batterie auf den Markt. Der neue Kleinbus, der gerade Weltpremiere in Oslo feierte, kann dann bis zu 280 Kilometer weit fahren. „Mit seiner größeren Reichweite und den ausgezeichneten Ladekapazitäten ist der neue e-NV200 mit 40-kWh-Batterie die perfekte Transportlösung im städtischen Lieferverkehr“, sagt Gareth Dunsmore, Direktor Elektrofahrzeuge bei Nissan in Europa. Und auch für die Evalia-Variante steht der Akku, der auch den Renault Zoe Z.E. 40 antreibt, zur Verfügung. Dann geht es für die Handballmannschaft auch elektrisch zum Auswärtsspiel.

Über den Autor

Thomas Flehmer

Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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