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Brennstoffzelle

Hyundai Nexo: Mit Wasser in die Zukunft

Die Asiaten geben bei der Brennstoffzelle den Ton an. Toyota hat den Mirai, Hyundai seit 2013 den ix35. Nun bringen die Koreaner den Nexo auf den Markt.

Die deutschen Hersteller haben bisher nichts im Angebot.
BMW, Mercedes  und Co. haben bislang auf Messen nur Konzepte gezeigt, die bislang aber immer wieder in der Versenkung verschwunden sind. Zwar wird Daimler in diesem Jahr mit dem GLC ein Brennstoffzellenfahrzeug auf den Markt bringen – doch Vorreiter bleiben bei dieser Technologie die Japaner und Koreaner.

Hyundai Nexo kommt im August

Hyundai legt im August sogar schon mit einem zweiten Fahrzeug nach – dem Nexo. Der Technologieträger wurde erst im Januar auf der CES in Las Vegas gezeigt, nun am Deutschlandsitz des Importeurs in Offenbach. Die Koreaner sprechen mit Blick auf den Hyundai Nexo von einem „Leuchtturmprojekt“ für den Importeur. „Wer die Brennstoffzelle beherrscht, der beherrscht auch allen anderen Spielarten der Elektromobilität“, sagt Sprecher Bernhard Voß.

Hyundai glaubt, die Brennstoffzelle zu beherrschen. So soll der neue Nexo über eine Reichweite von 800 Kilometer verfügen, das sind 30 Prozent mehr als beim ix35 Fuel Cell. Gut, dieser Wert basiert auf dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), doch im Realbetrieb sollen es immer noch deutlich mehr als 600 Kilometer sein, sagt Oliver Gutt, der Leiter Produktmanagement von Hyundai Deutschland.

Doch nicht nur bei der Reichweite habe der Nexo zugelegt, sondern auch bei den anderen Leistungsdaten. So stehen mit 163 PS nun 27 PS mehr Leistung als beim ix35 zur Verfügung. Das sorgt dafür, dass der Nexo drei Sekunden schneller auf Tempo 100 sprintet als sein Vorgänger.

Ausbau des Tankstellennetzes

Während Elektroutos an einer Haushaltssteckdose mindestens acht Stunden für die Aufladung der Batterien benötigen, lassen sich die drei Wasserstofftanks des Nexo in unter fünf Minuten betanken. Damit ist man zugleich bei der Infrastruktur angelangt. Das unzureichende Ladenetz für E-Autos gilt neben der geringen Reichweite und dem hohen Preis als einer der Gründe, weshalb ein Run auf Elektroautos bislang trotz Kaufprämie ausblieb.

Doch wie wie schaut es mit Wasserstofftankstellen in Deutschland aus? Derzeit gibt es bundesweit nur 42 Stationen, 33 weitere sind im Bau. Dieses lückenhafte Netz wurde von deutschen Herstellern in der Vergangenheit auch als ein Grund genannt, weshalb man im Gegensatz zu Toyota und Hyundai der Brennstoffzelle so zurückhaltend gegenüber stand. Doch warum nur 42 Stationen? Angesichts der Reichweiten eines Brennstoffzellenfahrzeugs ist mit ihm in Deutschland ein Liegenbleiben mit etwas Bedacht so gut wie ausgeschlossen.

Natürlich – und daraus macht auch Hyundai keinen Hehl – braucht es ein noch besseres Tankstellen-Netz. Insbesondere im Ausland – und hier in Osteuropa. „Je mehr, desto besser.“ In Deutschland soll es bis Ende des Jahres 88 Wasserstoffstationen geben. Der Anfang ist gemacht, so denn auch Ende 2018 Vollzug gemeldet ist. Trotz einer Vielzahl von Ankündigungen mit Blick auf den Ausbau der Infrastruktur gab es in der Vergangenheit immer wieder Verzögerungen.

Doch nun soll alles besser werden – und vielleicht wird es das auch. Denn nachdem Daimler nun den GLC ins Rennen schickt und damit ein deutscher Player ins Rennen geht, nimmt das Thema vielleicht endlich an Dynamik zu.

Hyundai Ionic überraschte beim Absatz
Hyundai Nexo. Foto: Hyundai/Bittmann
Das Heck des Hyundai Nexo. Foto: Hyundai/Bittmann

Zu einer möglichen Absatzerwartung für den Nexo sagt man bei Hyundai derzeit nichts. Die Zurückhaltung ist verständlich. Denn nachdem auch schon die Kaufprämie für keinen Run auf E-Autos gesorgt hat, käme eine solche Prognose dem Blick in die Glaskugel gleich. Vom Hyundai ix 35 Fuel Cell (Preis 65.450 Euro) wurden europaweit 500 Einheiten abgesetzt, davon 150 in Deutschland. Überwiegend waren es Gewerbekunden, darunter auch Linde. Der Konzern hat 50 Fahrzeuge in seine Carsharing-Flotte “BeeZero” integriert.

Dass die Diskussion um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge oder um den Wegfall der Dieselsubventionierung eine größere Nachfrage nach alternativen Antrieben auslöst, mag Hyundai nicht ausschließen. Aber kalkulieren mag man mit solchen Unwägbarkeiten auch nicht. Man sieht das Thema ohnehin in seiner ganzen Wertschöpfungskette. Dafür gehört für den Konzern auch die Nutzung der Brennstoffzellentechnologie beispielsweise für Busse und Nutzfahrzeuge. Hier besteht perspektivisch viel Absatzpotenzial, wie auch Gutt einräumt.

Hyundai Kona kommt zeitgleich

Hyundai Deutschland jedenfalls sieht sich in der Bandbreite der nachhaltigen Antriebe derzeit gut aufgestellt. Man verweist auf sein Produktportfolio: so bietet man beispielsweise den Ioniq als Hybrid, Plug-in-Hybrid und reines Elektroauto an. Doch damit nicht genug: Zeitgleich mit Nexo wird es auch die E-Variante des Kona geben.

Die derzeitige Nachfrage nach seinen alternativen Antrieben jedenfalls hat die eigenen Erwartungen übertroffen, auch wenn die absoluten Zahlen überschaubar sind. Doch das ist bei anderen Herstellern ähnlich. Vom Ioniq hat man in 2017 einen Absatz von 2500 Einheiten erwartet – geworden sind es 5000. Davon entfielen 2500 Einheiten auf den reinen E-Antrieb, von den anderen 2500 Einheiten 60 Prozent auf den Plug-in-Hybrid und der Rest auf den Hybriden. Ab August erweitert dann der Nexo das Portfolio. Zu welchem Preis? Das steht noch nicht fest. Im Idealfall sol les aber so eingepreist sein, dass es auch noch in den Genuss der Kaufprämie kommt. Dafür darf ein Auto nicht mehr als 60.000 Euro netto kosten.

Doch Absatz ist das eine, die Nachhaltigkeit das andere – und darauf richten die Koreaner ihre Strategie konsequent aus. Das hatte bereits der Vize-Chef von Hyundai Motors, Woong-Chul Yang, auf der CES gesagt. Der Nexo sei ein weiterer Beleg dafür, dass man seine Spitzentechnologien konsequent dafür einsetze, „die Erderwärmung zu reduzieren.“ Ein Ziel gegen das man nun wirklich nichts einwenden kann.

Über den Autor

Frank Mertens

Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben Autogazette.de und Autozukunft.de verantwortet er auch das Magazin electrified.

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